
Expeditionskreuzfahrten unterscheiden sich nicht nur im Reiseziel von klassischen Hochseekreuzfahrten. Expeditionsschiffe sind deutlich kleiner als Kreuzfahrtschiffe, meist eisverstärkt und mit Zodiacs für Anlandungen in entlegenen Gebieten ausgestattet. Beim Komfort müssen Reisende auf modernen Expeditionsschiffen gegenüber klassischen Kreuzfahrten meist keine Abstriche machen. Wir stellen die besten Anbieter, Schiffe & Regionen für Expeditionskreuzfahrten 2027/28 vor.

Die Strecke ab Norddeutschland zum Nordkap gehört zu den meistbefahrenen Routen für Kreuzfahrten in Europa. Das Nordkap in Norwegen kann bequem von Hamburg oder Kiel mit einem klassischen Kreuzfahrtschiff erreicht werden. Daneben starten Reisen auch ab Bremerhaven.
Daneben werden zahlreiche Expeditionsreisen zum Nordkap angeboten. Mit Abstechern in die schmalen Fjordlandschaften an der Westküste Norwegens, die nur mit kleinen Schiffen erreicht werden können. Auch die Lofoten und die Vesterålen werden auf vielen Routen angefahren.
Auch Grönland kann mit größeren Schiffen erreicht werden. Orte wie Siorapaluk, die nördlichste Siedlung Grönlands, oder die abgelegene Ostküste werden aber nur im Rahmen einer Expeditionskreuzfahrt angefahren.
Viele Expeditionsschiffe starten auf Island, es gibt aber auch reine Grönland-Kreuzfahrten – etwa mit den luxuriösen Schiffen von Hapag-Lloyd Cruises. Sogar ab Hamburg werden 2027/28 vereinzelt Grönland-Kreuzfahrten angeboten. Die Reisen finden in der kurzen arktischen Sommersaison zwischen Juni und September statt.


Die Antarktis gehört zu den entlegensten Reisezielen weltweit und zugleich zu den begehrtesten Zielen für eine Expeditionskreuzfahrt. Die Region ist nur während des Südsommers von November bis März bereisbar, in den übrigen Monaten ist sie wegen Eis und Wetterlage nicht zugänglich.
Ausgangspunkt der meisten Reisen ist Ushuaia an der Südspitze Argentiniens, seltener auch Buenos Aires oder das chilenische Punta Arenas. Von dort führt die Route durch die berüchtigte Drake-Passage ins südliche Polargebiet.
Neben den gewaltigen Tafeleisbergen, die es sonst nirgendwo auf der Erde gibt, ist die Antarktis auch ein Paradies für Tierbeobachtungen. Pinguinkolonien, Robben und Walgruppen gehören zu den prägenden Eindrücken einer Reise in die Region.
Deutschsprachige Expeditionskreuzfahrten in die Antarktis werden unter anderem mit Hapag-Lloyd Cruises angeboten (14 Nächte, ab 13.640 € p.P.*). Weitere empfehlenswerte Reedereien sind PONANT und Silversea Expeditions.
Es werden auch deutlich günstigere Reisen in die Antarktis mit großen Kreuzfahrtschiffen angeboten. Anlandungen auf dem antarktischen Festland gibt es auf diesen Reisen aber nicht, da klassische Kreuzfahrtschiffe nicht mit Zodiacs ausgestattet sind. Die Schiffe befahren die Region nur von Bord aus.


Flusskreuzfahrten auf dem Amazonas werden mit Hochseeschiffen, aber auch mit kleineren Expeditionsschiffen angeboten. Beide Schiffstypen folgen dem Lauf des Flusses tief in den Regenwald hinein. Startpunkt ist in der Regel Belém oder Manaus in Brasilien.
Während Kreuzfahrtschiffe den Amazonas, einen der längsten Flüsse der Welt, meist bis Manaus befahren, geht es auf Expeditionskreuzfahrten häufig noch weiter. Einige Anbieter führen ihre Gäste bis ins peruanische Iquitos, das nicht über eine Straße erreichbar ist und nur per Schiff oder Flugzeug erreicht werden kann.
Der ideale Reisezeitraum für eine Expeditionskreuzfahrt richtet sich stark nach dem jeweiligen Zielgebiet. Polarregionen sind nur saisonal zugänglich, tropische Reviere wie der Amazonas dagegen ganzjährig.
Die Antarktis ist ausschließlich während des Südsommers von November bis März bereisbar. Januar und Februar bieten in dieser Zeit die wärmsten Bedingungen und gute Chancen auf Walbeobachtungen.
Grönland lässt sich zwischen Juni und September bereisen. Die Mitternachtssonne prägt den arktischen Sommer, ab September werden erste Nordlichter sichtbar. Vergleichbare Reisezeiten gelten auch für andere arktische Ziele wie Spitzbergen oder die Nordwestpassage, die nur in den Sommermonaten eisfrei genug für eine Befahrung sind. Außerhalb dieses Zeitfensters sind reguläre Expeditionskreuzfahrten dort nicht möglich.


Nordkap-Kreuzfahrten entlang der norwegischen Küste konzentrieren sich auf die Monate Mai bis August. In dieser Zeit sorgt die Mitternachtssonne nördlich des Polarkreises für Tageslicht rund um die Uhr, und entlang der Fjorde erreichen die Temperaturen die angenehmsten Werte des Jahres. Juni und Juli gelten als Hauptsaison, der August bietet etwas mehr Ruhe an Bord.
Expeditionen auf dem Amazonas sind ganzjährig möglich, unterscheiden sich aber erheblich je nach Wasserstand. Während der Regenzeit von Dezember bis Mai führt der Fluss Hochwasser und ermöglicht Fahrten tief in die überfluteten Igapó- und Várzea-Wälder. In der Trockenzeit von Juni bis November sinkt der Pegel, und die Tierbeobachtung an Land wird ergiebiger, da sich Wildtiere an den verbliebenen Wasserstellen konzentrieren.
Eine Expeditionskreuzfahrt ist eine Schiffsreise in entlegene, oft schwer zugängliche Regionen der Erde. Statt großer Schiffe mit tausenden Passagieren und Entertainment-Programm kommen kleinere, speziell ausgerüstete Expeditionsschiffe zum Einsatz. Im Mittelpunkt stehen Naturerlebnis, Tierbeobachtung und Landausflüge in kleinen Gruppen. Anlandungen erfolgen in der Regel per Zodiac (Schlauchboot) an Orten ohne Hafen-Infrastruktur. An Bord begleiten Lektoren wie Meeresbiologen, Glaziologen oder Historiker die Reise mit Vorträgen und führen die Landausflüge. Bei Expeditionsreisen sind in der Regel alle Ausflüge und Zodiac-Fahrten bereits im Preis enthalten.
Zu den klassischen Zielen gehören die Antarktis mit der Antarktischen Halbinsel, Südgeorgien und den Falklandinseln, die Arktis mit Spitzbergen, Grönland, Island und der Nordwestpassage, Norwegen mit dem Nordkap, den Lofoten und den Fjorden, der Amazonas in Brasilien und Peru sowie die Galápagos-Inseln vor Ecuador. Hinzu kommen die Südsee mit Melanesien, Polynesien und Papua-Neuguinea sowie seltener besuchte Ziele wie Madagaskar, die Kimberley-Küste in Australien oder die Aleuten in Alaska.
Zu den führenden Anbietern gehören Hapag-Lloyd Cruises mit den deutschsprachigen Schiffen HANSEATIC nature, HANSEATIC inspiration und HANSEATIC spirit (je rund 230 Gäste). Hurtigruten Expeditions fährt mit den Hybrid-Schiffen Roald Amundsen und Fridtjof Nansen (je rund 530 Gäste). Die französische Reederei PONANT betreibt eine Flotte kleinerer Expeditionsschiffe, mit der Le Commandant Charcot zusätzlich einen Luxus-Eisbrecher mit LNG-Hybridantrieb. Silversea Expeditions, Seabourn, Quark Expeditions, Lindblad Expeditions (in Partnerschaft mit National Geographic), Swan Hellenic, Aurora Expeditions und Scenic ergänzen den Markt. Seriöse Polaranbieter sind Mitglied der Branchenverbände IAATO (Antarktis) und AECO (Arktis).
Moderne Expeditionsschiffe bieten Komfort auf Premium-Niveau. Die Kabinen sind in der Regel mit Meerblick oder Balkon ausgestattet, an Bord finden sich Restaurants, Spa- und Wellnessbereiche, Fitnessstudios sowie Panorama-Lounges und Vortragsräume für die täglichen Briefings. Viele Schiffe verfügen über ein Science Center mit Mikroskopen und Fachliteratur. Die Ausrüstung für die Expeditionsaktivitäten wird gestellt: Zodiacs, Kajaks und Schnorchelausrüstung, bei einigen Anbietern auch U-Boote oder Helikopter. Hochwertige Expeditionsjacken werden bei Reedereien wie Hapag-Lloyd, PONANT und Silversea geschenkt, Gummistiefel verliehen. Hapag-Lloyd und Hurtigruten bieten deutschsprachige Reisen an, PONANT operiert auf Französisch und Englisch, die meisten anderen Anbieter auf Englisch.
Expeditionskreuzfahrten sind tendenziell teurer als klassische Kreuzfahrten, bieten dafür aber ein umfassenderes Leistungspaket. Einstiegsangebote auf einfacheren Expeditionsschiffen beginnen bei rund 3.000 bis 5.000 Euro für Routen von 6 bis 10 Tagen, beispielsweise entlang der norwegischen Küste. Hochwertige Expeditionen in die Antarktis, Arktis oder zu den Galápagos-Inseln liegen meist bei 8.000 bis 15.000 Euro für 10 bis 14 Tage. Premium-Anbieter wie Hapag-Lloyd, Silversea, PONANT oder Seabourn bewegen sich darüber. Spezialrouten wie eine Nordwestpassage oder eine Antarktis-Halbumrundung können 30.000 Euro und mehr kosten. Die Flüge zum Abfahrtshafen kommen in der Regel separat hinzu.
Expeditionskreuzfahrten richten sich an Reisende mit Interesse an Natur, Tierbeobachtung und entlegenen Regionen. Sie sprechen erfahrene Reisende an, die klassische Destinationen bereits kennen, aber auch Kreuzfahrt-Neulinge, die das Konzept persönlicher Atmosphäre und kleiner Gästezahl bevorzugen. Eine gewisse Grundfitness ist für Zodiac-Anlandungen und Wanderungen empfehlenswert. Die meisten Reedereien bieten Aktivitäten in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen an. Wer großes Bord-Entertainment, Pools oder ein klassisches Animations-Programm sucht, ist auf einem regulären Kreuzfahrtschiff besser aufgehoben.
Zodiacs sind robuste, motorisierte Schlauchboote und das zentrale Transportmittel auf Expeditionskreuzfahrten. Sie werden für Anlandungen an Küsten ohne Hafen, für Erkundungsfahrten zwischen Eisbergen sowie für Tierbeobachtungen vom Wasser aus eingesetzt. Ein typisches Zodiac fasst etwa 10 bis 12 Passagiere plus einen Fahrer aus dem Expeditionsteam. Bei einer Anlandung wird die Gruppe in mehreren Fahrten vom Schiff an Land gebracht. Das Ein- und Aussteigen erfolgt über eine Plattform auf Wasserhöhe. Bei vielen Zielen ist eine Nasslandung im flachen Wasser üblich, daher sind Gummistiefel Pflicht. An Land begleiten Expeditionsleiter die Gruppen und achten auf die Einhaltung von Umweltvorschriften und Mindestabständen zu Tieren.
Im Vergleich zu klassischen Hochseekreuzfahrten setzen Expeditionsschiffe häufiger auf schadstoffärmere Antriebe. Schweröl ist in der Antarktis seit 2011 verboten, dort wird ausschließlich Marinediesel eingesetzt. Neuere Schiffe wie die Hybrid-Flotte von Hurtigruten (Roald Amundsen, Fridtjof Nansen) oder der LNG-Hybrid-Eisbrecher Le Commandant Charcot von PONANT nutzen alternative Antriebstechnologien. In der Antarktis reguliert die IAATO die Besucherzahlen: Maximal 100 Passagiere dürfen gleichzeitig an einer Anlandungsstelle an Land gehen. Biosicherheitskontrollen wie die Stiefeldesinfektion vor jeder Anlandung verhindern die Einschleppung fremder Organismen. In der Arktis übernimmt die AECO eine vergleichbare Funktion.
Die Tierwelt unterscheidet sich stark je nach Reiseziel. In der Antarktis stehen Pinguine, Wale (Buckelwale, Orcas), Robben und Albatrosse im Mittelpunkt. In der Arktis sind Eisbären, Walrosse, Polarfüchse und Papageitaucher charakteristische Beobachtungen. Am Amazonas lassen sich Flussdelfine, Kaimane, Brüllaffen, Faultiere und Tukane beobachten. Auf den Galápagos-Inseln gehören Meerechsen, Blaufußtölpel, Galápagos-Riesenschildkröten und Seelöwen zu den prägenden Eindrücken. Entlang der norwegischen Küste werden Wale, Seeadler und Papageitaucher gesichtet. Auf seriösen Expeditionsreisen werden die Tiere unter strengen Verhaltensregeln und mit Mindestabstand beobachtet.
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